Case Study:
Havelland Tourenportal

Ein geobasiertes Tourenportal für Aktivtouristen im Havelland

Ausgangslage

Aus einer internen Rechercheplattform für Wander- und Radrouten im Havelland sollte ein öffentliches Tourenportal speziell für die Region entstehen. Im Unterschied zu bekannten Outdoor-Portalen wie Komoot oder Outdooractive sollten dabei nicht allein die Touren im Mittelpunkt stehen. Ziel war es, auch die geografischen, landschaftlichen, kulturellen und geschichtlichen Besonderheiten des Havellands abzubilden und miteinander in Beziehung zu setzen.

Projekt

Havelland-Touren richtet sich an Aktivtouristen, die die Region mit dem Fahrrad, zu Fuß oder auf dem Wasser entdecken möchten. Anders als bei klassischen Tourenportalen steht dabei nicht allein die einzelne Tour im Mittelpunkt. Das Portal modelliert vielmehr die Region selbst.

Neben rund 130 Touren enthält die Datenbank etwa 70 Gewässer und 1.500 Points of Interest. Hinzu kommen Regionen, Naturschutzgebiete, Biotopdaten und spezialisierte Klassen von Orten wie Badestellen, gastronomische Angebote, historische Gebäude, Windmühlen oder Vogelbeobachtungsplätze.

Das Datenmodell orientiert sich bewusst an den naturräumlichen und kulturellen Besonderheiten des Havellands. Die Havel und die zahlreichen Seen und anderen Gewässer prägen große Teile der Landschaft. Gewässer werden deshalb nicht nur als geografische Objekte im Hintergrund verwaltet, sondern bilden eigenständige Informationsbereiche. Mit ihnen stehen wiederum Badestellen, Fischer, Sehenswürdigkeiten und Touren in Beziehung.

So entsteht ein vernetzter Informationsbestand, in dem eine Tour nur einer von mehreren möglichen Einstiegen in die Region ist. Von einer Tour gelangt der Besucher beispielsweise zu einem Gewässer, entdeckt dort eine Badestelle und stößt anschließend auf eine weitere Tour. Das Portal soll damit nicht nur konkrete Tourenvorschläge liefern, sondern einen digitalen Erfahrungsraum schaffen, der zum Stöbern und Entdecken des Havellands einlädt.

Umsetzung

Touren, Gewässer, Biotope und andere geografische Objekte werden mit ihren tatsächlichen Geometrien in der Datenbank gespeichert. Als Datengrundlage dienen verschiedene öffentliche Geodatensätze, darunter Naturräumliche Gliederung in Brandenburg, Biotope und Lebensraumtypen, Liste Biotoptypen in Brandenburg, Schutzgebiete nach Naturschutzrecht des Landes Brandenburg, CIR Biotopkartierung sowie Seen im Land Brandenburg.

Dadurch können viele Beziehungen automatisch aus ihrer räumlichen Lage abgeleitet werden. Lediglich Start- und Endpunkte einer Tour werden redaktionell festgelegt. Welche relevanten Geoobjekte entlang einer Strecke liegen, kann die Anwendung selbst ermitteln.

Die Geodaten dienen dabei nicht nur dazu, Objekte auf einer Karte darzustellen. Durch räumliche Berechnungen gewinnt das System zusätzliche Informationen über den Charakter einer Tour. Dazu wird beispielsweise die Geometrie einer Tour mit den Flächen der verfügbaren Biotopdaten verschnitten. Auf diese Weise lässt sich bestimmen, welche Landschaftstypen eine Strecke prägen. Ebenso berechnet die Anwendung, über welche Distanzen eine Tour unmittelbar an Gewässern entlangführt. Wenn eine Strecke beispielsweise zu 70 Prozent durch Wald und über acht Kilometer an Ufern entlangführt, lässt sich daraus bereits ein recht aussagekräftiges Bild ihres Landschaftscharakters ableiten.

Eine besondere Herausforderung liegt weniger in der technischen Verknüpfung der Daten als in der Frage, welche dieser Beziehungen für einen Nutzer tatsächlich relevant sind. Mit PostGIS lässt sich feststellen, welche Objekte sich schneiden, welche POIs in der Nähe einer Strecke liegen oder welche Touren an einem bestimmten Gewässer vorbeiführen. Eine rein technische, omnidirektionale Verknüpfung aller geografisch zusammenhängenden Objekte führt jedoch nicht automatisch zu einem guten Nutzererlebnis.

Deshalb werden die semantischen Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Objektklassen gezielt modelliert. Die technische Beziehung zwischen zwei Geoobjekten ist lediglich die Grundlage. Erst durch die fachliche Einordnung wird daraus eine für den Besucher aussagekräftige Verbindung.

Das gilt auch für die Benutzerführung. Havelland-Touren soll die vorhandenen Daten nicht möglichst vollständig auf jeder Seite präsentieren. Stattdessen führen redaktionelle Texte durch die Inhalte. Die strukturierten Daten und automatisch ermittelten Beziehungen unterstützen diese Texte und eröffnen Möglichkeiten zum Weiterstöbern.

Havelland-Touren ist damit über die Jahre zu einem praktischen Erfahrungsfeld für geodatenbasierte Informationssysteme geworden. Die Arbeit mit realen Touren, komplexen Geometrien und einem umfangreichen Bestand unterschiedlichster Geoobjekte liefert wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Geodaten und ihren Referenzmodellen sowie bei der Optimierung räumlicher Abfragen.

Gleichzeitig profitiert das Portal von Erfahrungen aus anderen Projekten – von Django und modernen Frontend-Technologien bis zum Betrieb auf Kubernetes. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse können wiederum in die Entwicklung anderer informations- und geodatenzentrierter Anwendungen einfließen.

Zeitraum
2023 – 2026

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